[home]  [reiseberichte ab 95]  [reiseberichte`05 bis`07]  [reiseberichte ab`07]  [info]  [gästebuch]  [weltkarte]  [links]

 

Mittelmeer´95

Das letzte Abenteuer, das es noch gibt, das wollen sie erleben, Fred Klein und Wolfgang Schiedeck aus Espelkamp.
Mit dem Motorrad rund ums Mittelmeer - ein Traum, den sich die beiden gestandenen "Motorrad-Freaks" noch in
diesem Jahr erfüllen wollen. Mit einer Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern ist das mittelländische Meer
zehnmal so groß wie die Bundesrepublik. Erst durch die Öffnung von Grenzen, wie zwischen Israel und Jordanien,
rückte diese Idee überhaupt in realisierbare Nähe. "Vor ungefähr zehn Jahren fand ich einen Artikel, der eines der
letzten Motorradabenteuer, die in Europa noch möglich sind, beschreibt," erzählt Fred Klein.
Das Mittelmeer als Abenteuer erlebt wohl nur der, der es im Wortsinn erfährt.
Und das natürlich mit dem Verkehrsmittel, das einen unmittelbaren Zugang zu Klima, Landschaft und Straßenver-
hältnissen erlaubt: mit dem Motorrad."

    

Beim ersten Tankstop haben wir gezittert wie junge Hunde, auf einem Campingplatz in Sete am Mittelmeer haben
wir drei BMW GS-Fahrer getroffen, Sie wollten auch nach Marokko allerdings ab Almeria mit der Fähre.

Den ganzen Tag wehte der Mistral, Wolfgangs erster Schreck: Er rutschte auf einer Ölspur weg, konnte die Honda
aber gerade noch abfangen.

Wunderbare 26°C Wärme, viele Plantagen links und rechts der Autobahn, aber auch viele wilde Müllhalden in der
Nähe von großen Städten, z. B. Valencia und Alicante. Plötzlich hatte meine Suzuki keinen Riß mehr.
Eventuell Zündung - Benzin?
Weiter ging es nur noch mit 40 km/h. Bei der nächsten Abfahrt sind wir runter und haben die Suzuki abgepackt.
Wolfgang sah nach 2.300 km die Fahrt zu Ende. Ich nahm den Tank runter und untersuchte alle Kabel.
Dabei fand ich ein abgebrochenes Kabel an der Zündspule. Zylinder 2 und 3 waren ausgefallen. Man stelle sich vor,
ich hatte sogar eine Ersatzspule dabei. 2 Stunden später war alles paletti.

Wir sahen riesige überdachte weiße Flächen. Es waren Tomaten- und Paprikaplantagen. Die Gegend war dürr.
Sie graben dort das Süßwasser ab. Die Sierra Nevada haben wir küstenmäßig über Landstraßen durchfahren.
Die Autobahn war hier zu Ende. Wir fuhren bis Gibraltar, einer britischen Enklave in Spanien. 
Die Start- und Landebahn des Flughafens ist Teil der Straße. Bei Flugbetrieb gehen die Schranken runter wie bei der Eisenbahn. Wir umfuhren die Felsen von Gibraltar, dann weiter zum südlichsten Punkt von Spanien: Tarifa.
Übernachtet haben wir in einer Pension.

Morgens um 8.00 Uhr sind wir zum Hafen von Tarifa, die Fähre sollte um 10.00 Uhr gehen. Kosten sollte sie pro
Mann und Motorrad ca. 70,-- DM - ein echter Seelenverkäufer, vergammelt und verrostet.
Bei uns würde so ein Kahn verschrottet. Die Überfahrt war stürmisch, weil Atlantik und Mittelmeer hier zusammen-
kommen und dadurch ein hoher Wellengang herrscht. Nach einer Stunde erreichten wir Tanger/Marokko.
Stopschilder und rote Ampeln werden hier ignoriert.

Beim Fotografieren und Filmen sind wir sehr oft auf Abneigung gestoßen und sogar von Polizei und Militär verwarnt
worden. Die Belästigungen und das ständige Anbetteln und Nötigen der Straßenverkäufer gingen uns schon mächtig
auf die Nerven.

    

    

Es war eine unruhige Nacht. Hunde und Katzen haben gejault. Um 3.00 Uhr rief Allah zum Gebet, gegen 5.30 Uhr
stellte Wolfgang fest, daß sein Packsack vom Motorrad weg war. Wir raus, den Nachtwächter alarmiert, alles zu spät.
50 m weiter lag der Gepäcksack ausgeschüttet und durchgewühlt. Außer Kleinigkeiten fehlte nichts.

Um 6.15 Uhr raus zum Frühstück. Auf dem Campingplatz sprachen uns zwei marokkanische Brüder auf deutsch an
und wollten uns die Stadt mit dem Palast zeigen. Das Angebot haben wir natürlich gerne angenommen.
Daß es nicht umsonst war, hatten wir bis dahin schon gelernt. Es war ein Erlebnis. Die engsten Gassen, Moscheen, Teppichhändler und Kunsthandwerker haben wir durchforscht und gesehen.

Tags darauf standen wir in Oujda vor der Grenze nach Algerien. Sie ließen uns nicht rein. Die Grenze war schon seit
einem halben Jahr geschlossen.
Trotz Visum und Zusage vom ADAC, daß die Grenze zum damaligen Zeitpunkt (Ende April) noch offen sei.
Nun hatten wir den Salat. (Deshalb der Titel "... oder die Tour andersrum")

Wir hatten keine Chance.
Auf dem Seeweg hätten wir 2 Wochen auf die Fähre warten müssen, zulang bei nur 8 Wochen Urlaub.
Nun mußten wir wieder zurück und die Tour andersrum umfahren.

Am anderen morgen fuhren wir von Oujda zum Hafen von Nador/Melilla (eine spanische Enklave in Marokko).
Im Hafen von Melilla lösten wir Tickets nach Almeria/Spanien (150,-- DM)ein.

Nach Verlassen der Fähre wurden wir beim Zoll von einem Cockerspaniel (Rauschgifthund) beschnüffelt.
Der Rest ging schnell.

Weiter ging es Richtung Marseille/Frankreich. Wieder wehte dieser stürmische Wind.
Wir pendelten uns bei 100 km/h ein.  Also durch Marseille Richtung Italien.
Marseille ist für Motorradfahrer der Wahnsinn.

Ab Monaco bis La Spezia sind wir die Autobahn der 1001 Tunnel gefahren!
Die Cote d'Azur war schön, aber überlaufen. Durch Genua führte eine auf Pfeiler hochgelegte Autobahn direkt
zwischen Häuserblocks. Es herrschte viel Verkehr, teilweise waren es nur 10 m bis zum Balkon,
keine Lärmschutzvorkehrungen.
Die  Suzuki hatte auf 6.300 km 1,8 l Öl verbraucht.
Beachtlich dafür, daß alles original ist und sie 125 TKM auf dem Buckel hat.

Bei gutem Wetter fuhren wir oberhalb des Stiefels quer zur Adria bis nach Manfredonia.
Wir fanden einen Campingplatz, der gerade geöffnet hatte.
Wolfgang führte die ersten schweren Kämpfe mit Autan und Handtuch gegen die Moskitos.

Nach einer unruhigen mückengeplagten Nacht ging es weiter Richtung Fährhafen Bari/Süditalien. 
Wir kamen durch 40 km Zwiebelanbaugebiet, alles roch nach Zwiebel.
In Bari angekommen, hatten wir im Hafen viel Zeit.

Am anderen Morgen kamen wir nach dem Frühstück in Igoumenitsa/Griechenland an.
Es war Dienstag, der 06.06.95.
Wir fuhren jetzt wahnsinnige Serpentinen an der Küste runter Richtung Patra.
Nach insgesamt  7.200 gefahrenen Kilometern riß mir das erste Mal der Kupplungszug.

    

In Korinth das reinste Verkehrschaos. Jeder kämpfte um die kleinste Lücke.
Lärm, Gestank wie in allen größeren Städten. Am Kanal von Korinth machten wir Pause.
Die Brücke, die über den Kanal führt, ist baufällig bzw. der Straßenbelag ist hin.
Es ist eine Metallkonstruktion, die bei schweren LKWs ins Schwingen gerät.
Schon merkwürdig, wenn man bedenkt, daß es hier 50 m steil die Felsen runtergeht.
Der Kanal hat selbst eine Breite von 24 m.

Die Felsenklöstervon Meteora, wahnsinnspanorama und Filmkulisse von James Bond.
Sagenhafte Serpentinen und Steilkurven.
Bergab hat es dann Wolfgang auch erwischt. In einer Haarnadelkurve wurde er hinausgetragen und landete
in einem entgegenkommenden Auto. Sein erster Bodenkontakt. Das Spiegelgehäuse war defekt und das Bike
hatte Kratzer. Das Auto war stark beschädigt.
Komischerweise stellte der Fahrer keine Ansprüche, Geld wollte er auch nicht.
Er haute dann auch schnell wieder ab. Merkwürdig!?
Den Spiegel klebten wir mit Klebeband und weiter ging die Fahrt über Thessaloniki, Kavala bis nach Xanti.

Morgens um 8.30 Uhr fuhren wir los in Richtung Türkei über Ipsala.
Der Grenzdurchlauf war Null Problemo im Vergleich zu Marokko.
Im Hafen von Canakkale haben wir einen großen Sprung von Europa nach Asien gemacht.
Wir überschifften die Dardanellen.

    

Leider haben wir einen falschen Weg genommen, ca. 80 km.
Wenn die Hölle zwei Etagen hat, dann waren wir an diesem Tag durch die Unterste gefahren.
Große Hitze, der Teer schwamm auf der schmalen Straße.

Selcuk Kusadasi, das ist der komfortabelste Camping Platz, den wir bisher kennengelernt hatten.
Ich mußte meinen Hinterreifen wechseln.
Ich baute das Rad aus und ein Angestellter vom Campingplatz brachte den Reifen in die Stadt und erledigte
die Montage. Ich war sehr dankbar dafür.
Nach zwei Stunden war der Reifen wieder da. Es kostete 500.000 TL = ca. 16,-- DM.
Eine Schachtel Gouloises gab ich ihm noch als Trinkgeld.
Am Nachmittag haben wir uns die riesigen Ausgrabungen der Stadt Ephesus angesehen und eine Kutschfahrt
mitgemacht. Ephesus ist die größte antike teilrestaurierte Stadt der Türkei. Sehenswert und zu empfehlen.

Nach mückenreicher Nacht, trotz Autan, und wenig Schlaf verließen wir um 7.00 Uhr früh den Platz,
weiter ging es von Gazipasa, 50 km hinter Alanya, durchs Gebirge.
Steile Küsten, 200 km nur Kurven, Berg- und Talstraßen und die unerträgliche Hitze.
Diese 200 km von Gazipasa bis Silifke hatten es in sich.
Die Strecke hat uns viel Zeit gekostet, wir fuhren teils bis 1.400 m über N.N.
Wir trafen den BMW R 80 GS-Fahrer Thomas, der uns Tips über Syrien gab, da er gerade von dort kam und
einen Biker aus Lörrach mit einer SR 500. Sie trafen sich in der Türkei und wollten nach Izmir und von dort
mit der Fähre nach Italien. Danke für Eure brauchbaren Tips.

An der syrischen Grenze angekommen, haben wir ein holländisches Paar  mit PKW getroffen, Loeki und Rein.
Die Grenzformalitäten waren so umfangreich wie nie zuvor. Von einer Stelle zur anderen und überall Stempel
auf Stempel. Vom Carnet de Passage/Zolldokument hatte der Zöllner überhaupt keine Ahnung und hat alles
verkehrt gemacht. Bis ein älterer Mann kam, der Bescheid wußte.
Der hat dann dem anderen erklärt, wie das läuft. Mit Loeki und Rein haben wir uns zusammengetan,
weil wir in Syrien und Jordanien die selben Ziele hatten.
Mit zwei Mopeds und einem Auto erschien es uns doch sicherer in dieser einsamen Gegend.
In Latakya am Strand haben wir wild gezeltet, da wir uns mit 4 Personen sicherer fühlten.

    

In Damaskus erreichten wir den Campingplatz "New Kabun".
Nach  dem Frühstück sind wir alle mit dem Taxi in die Stadt gefahren.
Sightseeing in Damaskus, Moscheen, Museen, Palast und Souks (Bazar) besucht.
Uns fiel auf, daß wir viele alte englische Motorräder und PKWs aus den 50iger Jahren gesehen haben:
Matchless, Norten, BSA, Vauxhall, und als Taxis fuhren alte Mercedes Pontons und Heckflosser.

    

Am jordanischen Grenzübergang wurde es schlimmer als je zuvor. Als erstes stellten die Zöllner fest,
daß unser Visum abgelaufen war.
Es wurde ein neues Visum erstellt für ca. 14,-- DM = 7 jord. Dinar.
Die Motorräder mußten extra versichert werden, 11,5 jord. Dinar = 22,-- DM. 
Auf dem Weg zum Toten Meer sind wir immer wieder in Straßenkontrollen geraten, aber es ging alles glatt.
Nach 11.427 km erreichten wir das Tote Meer.

    

Anschließend sind wir sofort runter zum Strand (keine 100 m).
Man brauchte nichts zu  tun und schwamm trotzdem oben.
Ertrinken war unmöglich, selbst das Brustschwimmen fiel schwer.
Auf dem Rücken sah es am elegantesten aus.
Man kann wirklich Zeitung lesen, ohne daß sie naß wird.
Der Salzgehalt ist enorm, 27,5 %, im Gegensatz zum Mittelmeer mit 2,7 %.
Wir haben viel Spaß gehabt.

    

Vom Toten Meer bis zur Felsenstadt Petra (ca. 200 km) haben wir selbst auf dem Kings Highway
einen ganzen Tag gebraucht.

Ziemlich kaputt sind wir in der Felsenstadt Petra angekommen.
Gegen Mittag haben wir dann Jordanien verlassen.
Wir kamen an der Grenze Elat/Israel in der glühenden Hitze an und sie ließen uns erstmal stehen.
Dann mußten wir alles auspacken und in Kübel tun.
Es war die reinste Schickane wie zu den schlimmsten Zeiten der DDR, mit Röntgengerät und Pieper
wie im Flughafen. Wolfgang schmiss die Brocken durch die Gegend.
Wir waren am Rande unserer Beherrschung angekommen.
Dann der Hammer mit Wolfgangs grüner Versicherungskarte: Israel gestrichen.
Sein Motorrad mußte auf Niemandsland bleiben.
Wir hätten nun mit meiner Suzuki in Elat reinfahren und eine Versicherung abschließen können,
aber wir waren so verärgert, daß wir beschlossen, Israel den Rücken zu kehren.

    

Nun kamen wir nach 4 Stunden an die jordanische Grenzstation zurück.
Großes Hallo, weshalb, warum. Aber die waren auch nicht gut auf die
(israelischen) Kollegen von der anderen Seite zu sprechen.
Deshalb haben sie uns auch ganz prima geholfen, wieder einzureisen und den ganzen Papierkram zu erledigen.
Am nächsten Morgen sollte es mit dem Schiff vom Hafen Akaba nach Nuweida/Ägypten gehen.

Vom Hafen in Akaba fuhren wir nach Nuweida/Ägypten.
Nach gut 3 Stunden sind wir in Nuweida angekommen.
Die Fahrtkosten betrugen für uns beide und die Mopeds  104 US-Dollar.
Dann begann für uns der Kampf mit den Formalitäten. Bisher hatten wir immer gedacht,
schlimmer könnte es nicht mehr kommen, aber das da schlug alles.
Wir wurden von eine Station auf die andere geschickt und jeder sagte uns was anderes und das
in dem riesigen Gelände, wo noch mindestens 500 Araber mit ihren Familien und Tonnen von Gepäck
auf Abfertigung warteten.
Dann kamen wir mit einem älteren Polizisten ins Gespräch und für 20 äg. Pfd. ist er mit uns nochmal
3 Stunden von Büro zu Büro gelaufen.
Der Mann hat für uns einfach alles gemacht. Alleine hätten wir noch am anderen Tag da gesessen.
Es wurde schon dunkel. Nach 7 km fanden wir einen Campingplatz mit Bungalows, "Nuweida Oasis".

Nach dem Frühstück haben wir wieder eine Motorrad-Inspektion gemacht. Wir wollten den Tag da verbringen.
Bei Wolfgang war die Gepäckbrücke gebrochen und bei mir hatte die 12 V-Steckdose ihren Geist aufgegeben.
Die Leute vom Campingplatz haben Wolfgangs Gepäckbrücke für 12 äg. Pfd. = 6,-- DM geschweißt und ich
habe die Steckdose ausgebaut, ohne die Kabel abzuisolieren (was später noch Folgen haben sollte).
Nun haben wir noch die ägyptischen Nummernschilder - eins vorne, eins hinten - angebracht,
die wir im Hafen kaufen mußten.
Die Einreise in Ägypten (Hafen Nuweida) hatte uns alles in allem jeden 250,-- DM gekostet.
Bisher der dickste Brocken.

    

Mit vollgetankten Motorrädern ging es in die Wüste Sinai.250 km Felsen, versandete Straßen,
Schotterwege und Geröllstücke.
Vorbei an den St. Katarinen Klöstern und den Berg von Sinai.
Unser Ziel war auf der anderen Seite der Wüste der Golf von Suez.
Nochmal 200 km an der Küste des Golfs entlang und wir erreichten den Suez-Tunnel/Kanal.
Wir fuhren in den 1,5 km langen Tunnel, der innen ganz in weiß mit einem blauen Streifen gefliest war.
Autos müssen hier eine Gebühr bezahlen, aber Motorräder sind kostenlos.
Alles war stark militärisch abgesichert, und es herrschte nur Einbahnverkehr. Die Angst vor Anschlägen ist groß.
Wir mußten noch etwa 50 km bis Ain Suchna fahren. Dort sollte es einen Campingplatz geben.
Der Sand wehte wie Schneetreiben über die Straße, höchste Konzentration war angesagt.
Wenn LKWs entgegenkamen, schlugen uns die Sandkörner wie Schrot ins Gesicht.
Endlich Ain Suchna erreicht!
Kein Campingplatz, dafür haben wir uns ein Hotel genommen und im warmen Golf von Suez gebadet.

Gegen 7.30 Uhr verließen wir Ain Suchna. Wir wollten so schnell wie möglich durch Hurghada, weil es für
Touristen eine gefährliche Gegend sein sollte, lt. ADAC.
Ende 1994 sind 2 Touristen brutal ermordet worden (Raubmord). Ausgerechnet genau vor Hurghada bekam
ich einen Kabelbrand.
Wolfgang sah Qualm von hinten, hupte und gab Zeichen. Ich hielt, stieg ab und sah am Heck hinten links Feuer.
Wasserflasche aus dem Rucksack und löschen war eins.

    

Dann wurde die Suzuki von der Fahrbahn geschoben, abgepackt und der Schaden festgestellt.
Keine Minute später waren die ersten 3 Soldaten da, aber keine Gefahr.
Die verbrannten Kabel wurden gefunden und entfernt.
Weiteren Schaden konnten wir nicht feststellen.

Entstanden war der Schaden durch einen Kurzschluß von meinem nicht isolierten Kabel in Nuweida und weil
ich die Steckdose nicht extra abgesichert hatte. Nach 2 Stunden ging die Fahrt weiter und beim Tanken haben
wir beschlossen, noch weitere 160 km durch die Wüste bis Kena am Nil zu fahren.
Außerhalb von Kena haben wir in Dentara einen ehemaligen Campingplatz gefunden: Dentara-Camp.
Der bisher dreckigste Campingplatz, den wir je hatten, da er seit mehreren Jahren für Touristen geschlossen war,
zentimeter dicker Staub, Dreck, sanitäre Anlagen zum Kotzen und vollgeschissen.

Von Kena nach Assuan waren es 380 km:
Hitze und gefährliche Situationen, aber eine schöne Gegend entlang des Nils.
Andererseits sahen wir auch große Not und Slums.
Eselkarren, LkW, PKW und Mini Pick-ups als Taxis, die überall hielten und anfuhren, gnadenlos.
Gegen 15.00 Uhr erreichten wir Assuan. Hurra!

Ein freundlicher Motorradfahrer (alte Zweitakt-Suzi) lotste uns zum Campingplatz.
Zwei Soldaten waren dort Tag und Nacht zu unserer Sicherheit auf Posten.
Wir waren die einzigen Touristen. Leider sind wir in den größten Feiertag der Moslems geraten.
Direkt am Campingplatz draußen an der Mauer hatten sie Bühnen mit Lautsprecheranlagen angebracht
und die ganze Nacht Gebetsmusik runtergeleiert (Koran). Um 4.00 Uhr morgens war es vorbei. Gute Nacht.

Nach dem Frühstück fuhren wir nach Sahara City.
Dies war Wolfgangs südlichster Punkt, den er unbedingt anfahren wollte.
Die Straße war halb zugeweht vom Sand. Kein Wüstensand hatte bisher diese gelbliche Farbe.
Der alte Assuan-Staudamm ca.2 km lang Kopfsteinpflaster, schmal und mit Gegenverkehr.
Die reinste Schüttelstrecke und alles fährt wie bekloppt.
Zum neuen durften wir nicht, Straßenspeere.

Wir wären gut vorangekommen, wenn nicht die vielen Kontrollen gewesen wären,
wir wollten in Mallawi auf einem Campingplatz, aber wir wurden immer wieder kontrolliert.
Dann mußten wir eine Pause einlegen, weil Wolfgang von Hitze und Durst schon ganz schummerig vor Augen wurde.
Nach einer halben Stunde ging es weiter bis Mallawi - wieder Kontrolle - wieder anhalten.
Nach ca. 20 Minuten kam ein Jeep, ein Offizier und 8 Mann mit MP als Geleit.
Nach einigen Kilometern wartete ein Panzerspähwagen auf uns.
Dieser Panzerspähwagen brachte uns nach ca. 1 Stunde mit 40 km/h weiter zu einem anderen Panzerspähwagen.
Das Militär hatte beschlossen, daß wir nach EL Minya zu einem Hotel gebracht werden sollten.
Plötzlich riß mein Kupplungszug und ich fiel zurück. Jetzt würgte ich die Suzuki ab und Schrauben war angesagt.
Es wurde dunkel, und ich schraubte schnell einen neuen Nippel auf den Bowdenzug.
Doch beim ersten Zug riß er ab. Ich war einfach zu aufgeregt.
Es ist kein Wunder, wenn jemand mit einer MP neben einem steht.
Was jetzt kam, schlug alles.
Ich wurde mit einem dicken Tau von dem Panzerspähwagen abgeschleppt.
Mit Tempo 30 wurden wir bis zu ihrem Stützpunkt geschleppt.
Alles in Richtung El Minya. Nun luden wir die Suzuki mit 6 Mann auf einen Pick-up.
Ich blieb hinten drauf und die Fahrt ging weiter.
Wolfgang fuhr hinter dem Pick-up und hinter ihm der 3. Panzerspähwagen mit Blaulicht.
Kurz vor EL Minya mußten wir wieder vor einer Kontrolle warten.
Hier blieb der Panzerspähwagen zurück und ein gepanzerter Pick-up mit 8 Mann und einem Offizier übernahm uns.
Jetzt ging es quer durch EL Minya mit Blaulicht bis zu einem Hotel.
Die Motorräder blieben unten auf der Straße. Zwei Mann wurden zur Bewachung extra vom Militär dafür abgestellt.
Wir waren ziemlich kaputt und gingen sofort ins Bett.
Am nächsten Morgen würde ich dann den neuen Bowdenzug einziehen.

Für diesen Tag hatten wir uns ein kleineres Pensum auferlegt.
Wir erreichten die Pyramiden von Gizeh bei einer "normalen" Hitze von 44°C.
Man hatte keine Spucke mehr im Hals. Nirgends Schatten und überall Nepp.
Wir kauften ein Ticket, um die Pyramiden zu sehen.
Als wir reinwollten, mußten wir wieder ein Ticket kaufen für 10 äg. Pfd.
Innen drin ging die Bettelei schon wieder los.
Jeder wollte Bakschisch haben für nichts, aber nicht mit uns! Wir drehten uns um und ließen sie einfach stehen.
Anschließend hat uns ein Taxifahrer geholfen, ein annehmbares Hotel zu finden.
Dafür würden wir mit ihm eine Stadtrundfahrt machen und uns Gizeh ansehen.

    

Der Urlaub ging langsam zu Ende. In EL Alamein, im einzigen Gasthaus nahmen wir zwei Zimmer.
Im Gastraum wurden die Tische zusammengerückt, weil die Motorräder dort reingeschoben wurden,
aus Sicherheitsgründen und des Sandes wegen.
Gegenüber war das Militärmuseum, wo Rommel seine großen Schlachten geschlagen hat.
Leider war es geschlossen, und wir mußten am nächsten Tag weiter.
Wir aßen und tranken direkt neben unseren Motorrädern.
Einmalig! So sicher standen sie noch nie.

Um ca. 8.00 Uhr fuhren wir in Richtung ägyptische Grenze nach Libyen (ca. 300 km).
Unterwegs hielt Wolfgang an, um sein Gepäck zu kontrollieren und schmiß prompt seine Honda wieder hin.
Endlich hatten wir die ägyptisch/libysche Grenze erreicht (EL Sollum).
Nun begannen erneut die verrückten Ausreiseformalitäten. Doch diesmal waren wir schon schlauer.
Für 10 äg. Pfd. haben wir uns einen Helfer gesucht. Trotzdem hat es wieder 2 - 3 Stunden gedauert.
Gegen 14.00 Uhr erreichten wir die libysche Grenze, froh, endlich Ägypten verlassen zu haben.
Nun kam der dickste Hammer. Wegen der Tour andersrum war unser Visum abgelaufen, also warten.
Ein Wagen fuhr los, und es kam ein Offizier. Unser Visum wurde weder verlängert noch bekamen wir ein neues.
Seinen blöden Vorschlag, zurück nach Kairo zu fahren (600 km) und dort ein Visum bei der Botschaft zu besorgen,
konnten wir leider nicht akzeptieren.

Wir beschlossen, zurück nach Alexandria zu fahren und von dort mit dem Schiff weiter.

Wir sind in der Dunkelheit schon 40 km gefahren. Weiterfahren wäre Selbstmord.
Urplötzlich konnten große Löcher in der Straße auftauchen oder Laster kamen uns ohne Licht entgegen.
Busfahrer waren die reinsten Killer auf der Straße und LKW-Fahrer lebensmüde und alle anderen fuhren
wirklich ohne Verstand.
Also sind wir runter von der Straße und ganz vorsichtig in die Wüste rein.
Für die Mopeds haben wir uns mit Steinen unter den Ständern einen festen Stand verschafft.
Gegen Wind und Sand haben wir eine Plane an die Motorräder geklammert.
Mit Bastmatte und Schlafsack richteten wir uns ein notdürftiges Schlaflager her, dann schauten wir in den schönsten Sternenhimmel, den wir jemals gesehen hatten. Gute Nacht!

Wir haben das Wüstenlager abgebrochen und machten uns auf den Weg nach Alexandria kurz nach Mittag erreichten
wir die Stadt und fragen uns zum Hafen durch.
Dort erfuhren wir, daß in den nächsten 4 Wochen kein Schiff nach Italien, Griechenland oder Türkei ging.

Wir mussten nach Kairo.

Man hatte uns in Alexandria versichert, in Kairo ginge alles problemlos.

Mit Hilfe von Mena Tours wurden die Flugtickets für uns geändert und die Motorräder endlich aufgegeben.
Dann mußten wir Geld wechseln und bezahlen. Wir haben schwer berappen müssen.
Wolfgang 3.500 äg. Pfd. = 1.700,-- DM, nur für Motorrad und Gepäck, ich 1.500 DM, da die Suzuki leichter war.
Am folgenden Morgen um 6.00 Uhr sollten wir am Flughafen sein, unser Flug sollte dann um 8.00 Uhr mit der
All Italia nach Rom gehen.
Bald wären wir endgültig und für immer aus Ägypten raus!

Pünktlich am Flughafen angekommen, gingen die Schwierigkeiten schon wieder los.
Die Motorräder waren am Flugfeld angekommen und nun sollten die Batterien ausgebaut, das Benzin und Luft
aus den Reifen rausgelassen werden.
Wie sollten wir das machen? Unser Gepäck war längst aufgegeben. Wir hatten kein Werkzeug und aufs Flugfeld
durften wir auch nicht. Wir mußten zuerst ganz normal durch die Kontrolle, dann durften wir ausnahmsweise in
Begleitung zu den Motorrädern.
Nun wurde die Zeit knapp und plötzlich ging alles.
Der Sprit blieb drin, die Batterien auch. Mit 10 Minuten Verspätung sind wir abgeflogen.
Nach 4 Stunden Flug landeten wir sicher in Rom. 
Nach 3 Stunden und 140,-- DM Kosten fürs Auslösen der Motorräder und Gepäck waren wir wieder auf Achse.
Gegen 16.00 Uhr hatten wir 6 km vor Rom City einen prima Campingplatz gefunden.
Endlich wieder alles grün und eine heile Welt.

Roma Camping ließen wir um 7.30 Uhr hinter uns.
Wir fuhren über Florenz, am Gardasee vorbei bis nach Brixen, insgesamt 709 km.
Die Mopeds liefen wie verrückt. Nur 28°C und guten Sprit, was wollten wir mehr.
Die 28°C empfanden wir schon beinahe als kalt.
In der Nähe von Brixen, Süd Tirol, am Werner See verbrachten wir den Rest des Tages auf einem Campingplatz.
Für uns war es nachts verdammt kühl, nach der Hitze in Afrika.
Am nächsten Tag wollten wir nach Mooskirchen/Steiermark zu einem befreundeten Motorradclub namens Moto Zont.

Nachmittags kamen wir in Mooskirchen an. Das erste, was wir sahen, war ein Hinweisschild "Moto Zont".
Genau als wir ankamen, war das Motorradtreffen zu Ende,  aber Wolfgangs Freunde vom Club haben uns freundlich empfangen. Seine finnischen Freunde waren auch dort gewesen, leider haben wir uns verfehlt.
Wir schlugen dort über Nacht unsere Zelte auf.
Ich hoffte im stillen, daß es mal wieder regnete, damit Klamotten und Motorräder wieder sauber würden.

Wir brachen unser Lager in Mooskirchen ab und fuhren gegen 8.00 Uhr in Richtung slowenische Grenze.
An der Grenze selbst brauchten wir nur Ausweis und grüne Versicherungskarte (wichtig!) vorweisen.
Mittags erreichten wir Wolfgangs Motorradkumpel Martin Hojan in Slovenje Gradec.
Wir verbrachten dort einen schönen Tag und übernachteten in unseren Zelten in seinem Garten.
Nach dem Frühstück packten wir und wollten weiter Richtung Heimat.
Bei der Abfahrt aus Martins Garten riß mir der Kupplungszug (5. Mal) genau in dem Moment, wo ich um die
Ecke wollte und prompt lag ich mit der Suzuki auf der Schnauze. Also wieder mal schrauben angesagt.
Nach ca. einer halben Stunde ging es weiter nach Österreich.
Die Grenze war schnell erreicht und ohne Probleme passiert. 
In Österreich sparten wir uns die Maut für die Tauerntunnel und fuhren der Landschaft wegen über den
Katschbergpaß, 1.639 ü. N.N. und den Tauernhochpaß, 1.741 ü. N.N. wunderschön zu fahren.
Nach passieren der deutschen Grenze wollten wir in einem kleinen Ort übernachten, aber alles ausgebucht.
10 km hinter dem Chiemsee in Frasen haben wir für 45,-- DM die Nacht mit Frühstück ein Hotel gefunden.
An diesem Abend begann es das erste Mal zu regnen.
Aus dem Regen wurde ein Hagelschlag mit Körner, die teilweise so groß waren wie Tischtennisbälle.
Das ging über eine halbe Stunde so, dann war die Luft sauber.
Das war auch der Ausklang für diesen Tag.

Dieses waren die Erlebnisse unserer Reise, die 8 Wochen gedauert hat.
20.500 gefahrene Kilometer,
2.000 Flugkilometer
und ca. 1.500 km über Wasser per Schiff,
rund 1.100 l Benzin pro Fahrzeug,
ca. 1.000 Fotos und 4 Stunden Videoaufnahmen wurden gemacht.

Die Transkontinentalfahrer

Fred Klein und Wolfgang Schiedeck

[reisevorbereitung]  [reiseinfo]  [presseberichte]  [specials]  [spenden]  [spenderliste]  [sponsoren]